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von Jan Langenbein
Kanada
Golf Island
CHARLOTTETOWN
Nach einer Woche im Stanhope Beach Resort verlegen wir unseren Wohnsitz ins historische Zentrum von Charlottetown. Unser Domizil für die nächsten Tage ist ein liebenswertes, altehrwürdiges Boutique-Hotel namens The Great George, dessen Zimmer allesamt mit unzähligen Antiquitäten individuell eingerichtet sind, im Gegensatz dazu aber auch über einen riesigen Flatscreen, einen Kamin, in dem auf Knopfdruck die Flammen züngeln, und einen grossen Jacuzzi verfügen. Ein fernbedienbarer Kamin und ein Jacuzzi, das mag zwar ein wenig nach 70er–Jahre-Bräuteabschleppschuppen klingen, entpuppt sich am späten Abend nach 18 Löchern Golf jedoch als absolute Wohltat.

Nach Tagen der völligen Ruhe und Entspannung in Stanhope ist Charlottetown eine willkommene Abwechslung. Mit 32.000 Einwohnern ist diese Stadt mit Abstand die grösste Ansammlung von Menschen auf dieser Insel und hat trotz ihrer überschaubaren Grösse einiges zu bieten, um die freie Zeit zwischen den Golfrunden totzuschlagen. Es gibt unzählige Kneipen, ein grosses Theater, eine Mall und eine Trabrennbahn, auf die uns unser Local Barry unbedingt mitnehmen will. Zunächst skeptisch gegenüber dieser Abendplanung, die wir eigentlich eher einer Rentnergruppe zugetraut hätten, verfliegen unsere Vorurteile schnell, als wir merken, wie viele Dollars wie für ein paar unserer Euros bekommen, und realisieren, dass es nicht im finanziellen Ruin enden muss, ein Vielfaches dessen auf die im Kreis rennenden Pferde zu setzen, als es unsere Begleiter tun. „Schaut euch die Europäer an! Unsere Dollars müssen ihnen wie Spielgeld vorkommen“, grinsen unsere Gastgeber und bleiben beim Minimaleinsatz von zwei Dollar. Unter 20 Dollar fangen wir erst gar nicht an zu wetten und gewinnen sogar bei den ersten drei Rennen. Das Adrenalin fliesst, der Übermut nimmt zu und wir setzten alles auf einen Gaul mit dem Namen „U Da Man Dude“, der natürlich prompt als Letzter durchs Ziel geht, womit all unser gewonnenes Geld futsch ist. Was will man auch erwarten bei solch einem bescheuerten Namen?

Die Platzeröffnung in Green Gables ist ein gesellschaftliches Ereignis. Der lokale Bautycoon, Financier des gesamten Umbaus, hat die Ehre, den goldenen Ball vom ersten Tee zu schlagen, und slicet diesen formvollendet in den Wald. Alex, wie sich nun herausstellt Sohn des Slicers, hält eine flammende Rede über die Geschichte des Golfplatzes und darüber, welchen Stellenwert er in nach diesem Komplettfacelift wieder in der kanadischen Golfszene haben wird, und lässt sich nicht davon abhalten, uns als Vertreter der internationalen Presse vorzustellen, die extra angereist sind, um diesem Event beizuwohnen. Sofort sind wir der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und der Reporter des Guardian, der Tageszeitung auf PEI, wittert eine Sensationsstory für sein Lokalblatt. Ohne ein Interview lässt er uns nicht aufs erste Tee und es ist eine spassige Erfahrung, einmal selbst befragt zu werden, wo wir doch sonst immer auf der anderen Seite stehen.

Als die Presse ihr Material hat, können wir endlich abschlagen und haben die Ehre, als Erste einen Platz zu spielen, über den seit eineinhalb Jahren kein Golfer mehr geschritten ist. Divots sucht man vergebens, die Bunker sind gefüllt mit feinstem, weil nagelneuem Sand und die Grüns wissen noch nicht, was Pitchmarken sind. An einigen Stellen lässt es sich zwar nicht übersehen, dass dieser Platz noch ein wenig Zeit braucht, bis er in voller Blüte stehen wird, aber spätestens zur nächsten Golfsaison wird Green Gables in absolutem Topzustand sein und zu Kanadas besten Golfplätzen zählen. Der Verlauf der Bahnen durch dichten Wald und entlang der Buchten bei Carvendish hat in den 69 Jahren seines Bestehens nichts an Schönheit und Brillanz verloren und verbindet sich nun mit hochmodernem Bunker- und Gründesign zu einem Golfplatz der Extraklasse. Nach 18 atemberaubenden Löchern sind wir uns einig, den zukünftig besten Golfplatz auf PEI gespielt zu haben, und machen uns über das Buffet her, das zur Feier des Tages im Clubhaus aufgebaut ist, denn der Abend verspricht mehr flüssige als feste Nahungsmittel – eine Tour durch Charlottetowns bunte Szene kleiner Pubs steht an.

»Abseits der Trampelpfade des internationalen Golftourismus haben wir eine Destination der Superlative entdeckt.«

Im historischen Distrikt finden sich viele Kneipen, die hervorragende lokale Biere ausschenken. Das beste darunter: die Gahan Brewery, wo selbst gebrautes dunkles Ale und Stout gezapft werden. Jeder, der durch die Eingangstür des Gahan Brew tritt, kann sich glücklich schätzen, dass die Heimwege in dieser Stadt niemals lang sind. Das Frühstück am nächsten Morgen nehmen wir nach diesem Abend ein wenig verlangsamt wahr, ein Blick in den Guardian macht uns jedoch schnell wieder munter. Die „German Writers“ haben es, wir können es kaum glauben, auf die Titelseite geschafft.

Noch eine letzte Runde Golf steht aus; der Name des Platzes war uns während unserer Zeit auf der Insel immer wieder begegnet: Dundarave Golf Course. Mit Jack Nicklaus und Tom Watson haben schon Legenden des Spiels diesem 1999 eröffneten Monster von einem Golfplatz die Ehre erwiesen und wie schon die alten Herren vor uns merken auch wir schnell, was die Stunde in Dundarave geschlagen hat. Gelände stand beim Design dieser 18 Löcher genügend zur Verfügung und so schlängeln sich die Spielbahnen in einer endlos erscheinenden Schleife den Brudenell River entlang. Dundarave ist lang und die Strecken zwischen den Bahnen sind teilweise so weit, dass auch eingefleischte Golfcart-Verweigerer hier über ein Gefährt nachdenken sollten. Was Dundarave allerdings zwischen Abschlägen und Grüns zu bieten hat, ist spektakulär. Jede Bahn liegt allein und völlig isoliert in einer fast schon beklemmend abgeschiedenen Landschaft und kaum hat man die erste Spielbahn hinter sich gelassen, taucht man für vier Stunden in eine Welt der Stille ein, in der man unter Garantie keine anderen Golfer zu sehen bekommt, es sei denn, man spielt der vorher gestarteten Gruppe in die Hacken. Leider gingen in der Nacht vor unserem Besuch in Dundarave monsunartige Regenfälle über den Platz nieder und verwandelten jeden der 120 Bunker, die sonst mit dem für diese Insel typischen roten Sand gefüllt sind, in rot gefärbte Schlammlöcher. Eine Niete aus dem Bunker würde sich über eine Platzregel in Dundarave freuen, die für genau diesen Fall für jeden Ball, der in einer dieser 120 Fallen landet, straffreie Erleichterung ausserhalb des Bunkers vorschreibt, aber wie wir gemerkt haben, macht Golf nur dann Spass, wenn man Bunkerschläge auch wirklich spielen muss, und das ist heute hier leider nicht der Fall. Nach hitzigen Diskussionen kommen wir nach all den Runden zum Ergebnis, dass Dundarave sich die Krone für den besten Golfplatz auf PEI mit Crowbush und im nächsten Jahr auch mit Green Gables teilen muss, allerdings nur, wenn es zuvor nicht allzu ausgiebig geregnet hat und die Bunker wirklich Bunker sind.

Zwölf Tage auf einer Insel, deren Namen wir noch nie gehört hatten, liegen hinter uns und beeindruckt von der Menge vorzüglicher Golfplätze hier, ganz im Südwesten Kanadas, steigen wir wieder in eine kleine Maschine, die uns dieses Mal nach Toronto bringen wird.. Wir werden vieles vermissen: das Lobstersub, das kanadische Spielgeld und hausgebrautes Bier … Eines steht jedoch fest: Wir haben eine neue Golfdestination der Superlative entdeckt, die momentan noch abseits der Trampelpfade des internationalen Golftourismus liegt und gerade deshalb ein echtes Juwel ist. Diese Insel ist tatsächlich Golf Island.
Foto: Jan Langenbein

Wegweiser:

ANREISE
Ab Deutschland mit Air Canada via Montreal nach Charlottetown. Interessanterweise ist New York von Prince Edward Island mit dem Auto innerhalb von ca. 12 Stunden zu erreichen. Es gibt eine Brückenverbindung zum Festland. Auf der Insel benötigen Sie einen Mietwagen, auf ein Navi kann verzichtet werden.

ÜBERNACHTEN
Stanhope Beach Resort
Rustikales Beach Resort mit grossartiger Atmosphäre. In der auf historisch getrimmten Lobby stehen bspw. rund um die Uhr kostenlos Erfrischungen sowie frisch gebackene Cookies und Kaffee für die Gäste bereit.
www.stanhopebeachresort.com

The Great George
Historisches Gebäude mit aussergewöhnlichen Zimmersuiten. Jedes Zimmer mit unterschiedlicher Interieur-Thematik und eigenem Whirlpool sowie kostenlosem WLAN, grossem Flachbild-TV und Kamin.
www.thegreatgeorge.com

COURSE YOU CAN
Detaillierte Informationen zu allen wichtigen Golfplätzen auf Prince Edward Island finden Sie unter www.golfpei.ca

Eagles Glenn
Par 72, 18 Loch, 6.100 Meter
Killerloch: Loch Nummer 8, 560 Meter langes Par 5 mit leichtem bis sehr starkem Gegenwind. Ein Par fühlt sich hier wie ein Birdie an.
GolfPunk-Urteil: Abwechslungsreich mit vielen Schräglagen, aber etwas zu weiche Grüns. Dankbarer Platz für alle Spielstärken.
www.eaglesglenn.com

Andersons Creek Golf Course
Par 72, 18 Loch, 6.050 Meter
Killerloch: Nummer 15, es gilt ca. 200 Meter Waste Area zu überqueren, bis endlich das Fairway ins Spiel kommt. Das Grün ist stark erhöht, man kann die Fahnenposition nicht einsehen. Mit 350 Metern nicht sehr lang, aber tricky.
GolfPunk-Urteil: Grossartiges Design, das das gesamte Schlagrepertoire fordert. Die besten Grüns auf Prince Edward Island. Top-5-Platz.
www.andersonscreek.com

Fox Meadow
Par 72, 18 Loch, 6.140 Meter
Killerloch: Nummer 7, ein Par 3, dessen Grün bergab auf einer Halbinsel liegt. Jan war einen Kinderdaumenbreit vom ersten Hole in one entfernt.
GolfPunk-Urteil: Empfehlenswerter Parkland-Kurs, der im Kontext der hochklassigen Plätze minimal zurücksteht. Gehört bei einer ausgedehnten Golftour in jedem Fall unter die Top 10.
www.foxmeadow.pe.ca

Glasgow Hills
Par 72, 18 Loch, 6.240 Meter
Killerloch: Nummer 9, ein relativ kurzes Par 4 mit einem reinrassigen Inselgrün nach einem Dogleg. Hier muss man den richtigen Anspielwinkel finden, sonst droht der Untergang.
GolfPunk-Urteil: Top-Pflegezustand, sehr abwechslungsreich mit massig altem Baumbestand, Glasgow Hills gehört zur Oberklasse auf PEI.
www.glasgowhills.com

Green Gables
Par 72, 18 Loch, 6.300 Meter
Killerloch: Nummer 6, ein prächtiges Par 5 in der Nähe der Küste mit einigen surrealen Bunkern rund ums Grün.
GolfPunk-Urteil: Das Kronjuwel unter den PEI-Plätzen wurde erst am 1. August wiedereröffnet. Eine Mischung aus Parkland- und Links-Platz mit rohem Zuschnitt und aussergewöhnlicher Atmosphäre.
www.greengablesgolf.com

Dundarave
Par 72, 18 Loch, 6.300 Meter
Killerloch: Nummer 12, ein tückisches Par 4 mit einem Wasserhindernis in der Drive-Landezone und fiesen Bunkern rund um ein gnadenlos onduliertes Grün. Ein Par ist hier ein Grund zum Feiern.
GolfPunk-Urteil: Neben Crowbush und Green Gables ein Must Play auf der Insel. Für derlei Plätze zahlt man in den USA oder Europa locker 100-300 Euro Greenfee.
www.greengablesgolf.com

The Links at Crowbush Cove
Par 72, 18 Loch, 6.200 Meter
Killerloch: Es gibt einige, hier die besten: Nummer 5 (irres Par 5 mit Halbinselgrün), Nummer 11 (surreale Aussicht von den Backtees) und 17, das vielleicht bizarrste Par 3 der Insel. Sie sehen eine Fahnenspitze und eine Hecke. Viel Erfolg.
GolfPunk-Urteil: Beinahe schon kitschig schön und ein absolutes Muss!
www.golflinkspei.com

Mill River
Par 72, 18 Loch, 6.150 Meter
Killerloch: Nummer 7, 10 Wasserhindernisse, die mit vier Brücken die beiden Fairway-Teile verbinden. Drüber müssen Sie in jedem Fall, denn das Grün liegt erhöht auf der linken Seite. Äusserst skurril.
GolfPunk-Urteil: Licht und Schatten – zu viele Löcher, die einfach nur durch Waldschneisen führen, dafür ist der Rest reine Weltklasse. Pflegezustand ist top.
www.golflinkspei.com
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